Logo OEBB2012 werden gleich mehrere Neubaustrecken in Betrieb genommen: Der Lainzer Tunnel, die Neubaustrecke zwischen Wien und St. Pölten und die Unterinntalstrecke in Tirol. Darüber hinaus wird der Hauptbahnhof teilweise in Betrieb gehen, und schließlich wird der Level 2 des europäischen Zugsicherungssystems ETCS erstmals in Österreich zum Einsatz kommen - und zwar auf allen Neubaustrecken. Damit wird die Sicherheit im Bahnbetrieb weiter erhöht.

"2012 ist ein entscheidendes Bahnjahr - und nicht nur deshalb, weil es heuer 175 Jahre Eisenbahn zu feiern gibt: Insgesamt werden 70 km Tunnel und 100 Streckenkilometer Gleise neu in Betrieb genommen - und auch der neue Hauptbahnhof geht in Teilbetrieb. Das bedeutet für unsere Kunden einen Quantensprung in Richtung kürzere Fahrtzeiten und mehr Komfort", so Franz Seiser, Vorstand der ÖBB Holding AG. "Um effizienten Bahnbetrieb sicherzustellen, sind mit der Einbindung der neuen Strecken in das bestehende Bahnnetz auch Änderungen in der Verkehrsführung erforderlich. Das heißt, dass auch in der Ostregion Strecken, auf denen derzeit noch links gefahren wird, auf Rechtsverkehr umgestellt werden."

Teilinbetriebnahme neuer Hauptbahnhof: Nahverkehr verbindet Ost mit West

Pünktlich zum Fahrplanwechsel am 9.12. werden die ersten Nahverkehrszüge den neuen Hauptbahnhof frequentieren und Fahrgäste aus- und einsteigen. Die S60 (Ostbahn) und die S80 werden über den Hauptbahnhof hinaus bis Hütteldorf bzw. Wr. Neustadt durchgebunden: ein wesentlicher Komfortgewinn, speziell für Pendler. Vier Gleise mit Bahnsteigen und ein Durchfahrtsgleis gehen in Betrieb. Ab 2014 können erstmals können Züge aus allen Richtungen ankommen und in alle Richtungen verbunden werden.

Lainzer Tunnel: lückenlose und rasche Verbindung

Der knapp 13 km lange Lainzer Tunnel verbindet die Westbahn mit der Süd- und Donaulände-bahn und dem neuen Hauptbahnhof. Dadurch werden Güterzüge (ab 2012) und Personenzüge (ab 2014) Wien schneller und umweltschonender als bisher durchqueren bzw. an innerstädtische Güterterminals und Bahnhöfe gelangen. Die Verbindungsbahn wird von schweren Güterzügen entlastet, die Lärmsitutation für Anrainer verbessert sich. Frei werdende Kapazitäten könnten für einen verdichteten Personennahverkehr genützt werden.

Viergleisiger Ausbau Wien - St. Pölten: In 25 min in die nö. Landeshauptstadt

Die 44 km lange Neubau-Hochleistungsstrecke ist ein wesentlicher Bestandteil des Ausbaus zur viergleisigen Westbahn, der auf Grund seiner Länge und seiner technischen Besonderheiten zu den Meilensteinen der jüngeren Eisenbahn-Geschichte zählt. Sie sichert die Kapazitäten für den Güterverkehr, ermöglicht kürzere Fahrzeiten im Personenverkehr und ist Teil des transeuropäischen Netzes (TEN-Netz). Mehr als die Hälfte der Strecke Wien-Meidling - St. Pölten verläuft in insgesamt 8 Tunnels (einschließlich Lainzer Tunnel).

Auf der Unterinntalstrecke werden künftig 40 km zweigleisige Hochleistungstrasse zwischen Kundl und Baumkirchen die bestehende 2-gleisige Bestandsstrecke ergänzen. Diese wird dadurch entlastet, für die Anrainer kommt es zu einer Lärmreduktion.

Regionen rücken zusammen

Das heißt: Regionen rücken näher zusammen, es kommt zu erheblichen Reisezeitverkürzungen im Personenverkehr. Auf der Strecke Wien-Salzburg peilen die ÖBB ab Fahrplan-wechsel eine Fahrtzeit von 2St 22min an - um 23 Minuten weniger als heute. Mit der Verknüpfung von West- und Südbahn wird ab 2014 auch eine Fahrt von St. Pölten nach Wiener Neustadt bedeutend schneller und komfortabler möglich sein (von der dz. schnellsten Verbindung mit rj von 1St 30 min auf unter 1 Stunde).

Effizienter Bahnverkehr bedingt einheitlichen Rechtsbetrieb

In Österreich wird seit vielen Jahrzehnten sukzessive auf Rechtsfahren umgestellt - größtenteils im Rahmen von ohnehin notwendigen Modernisierungsarbeiten, Umbauten oder Neubauprojekten. Der letzte Meilenstein wurde mit der Umstellung des Abschnitts Wien Westbahnhof-Amstetten auf Rechtsfahren im Jahr 1991 gesetzt. Nun folgt die Ostregion.

Aus betrieblicher Sicht ist die Umstellung auf Rechtsfahren in Ostösterreich eine Voraussetzung für den reibungslosen, effizienten Bahnbetrieb- sowohl hinsichtlich der laut Verkehrsprognose 2025 zu erwartenden künftigen Verkehrs- und Kundenströme als auch dem "Zielnetz 2025+". Nur dann kann das derzeitige und künftige ÖBB-Schienennetz möglichst effizient genutzt werden und können Trassenkonflikte im Abschnitt Wien Meidling - Wien Hauptbahnhof vermieden werden - hier kommen die rechts geführte West- und Ostbahn und die derzeit noch links geführte Nord- und Südbahn zusammen. Bei Beibehaltung des Links-verkehrs könnte der künftige Zugverkehr ab Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs nicht im geplanten Umfang geführt werden, rund 30 % Kapazitätsverlust im Bereich Hauptbahnfhof-Meidling wären die Folge.

Kunden profitieren in Folge vom effizienteren Bahnbetrieb - mehr Züge am Netz sind möglich, der Kundenkomfort in den Bahnhöfen Wien Meidling und Hauptbahnhof Wien wird erhöht. Am Hauptbahnhof wird dadurch ab 2014 bahnsteiggleiches Umsteigen (also das Umsteigen am selben Bahnsteig für die Weiterfahrt in die gleiche Richtung) in der Relation München-Budapest und Graz-Prag ermöglicht, in Meidling in der Relation St. Pölten-Wr. Neustadt.

Die Kosten für die Umstellung betragen rund 16 Mio. Euro. Davon entfallen 13,2 Mio. Euro auf das Legen neuer Gleise ("Überholgleise") in den Bahnhöfen Brunn-Maria Enzersdorf und Baden. Damit ist, unabhängig vom Rechtsverkehr, eine weitaus größere Flexibiliät für den Bahnbetrieb in alle Richtungen gegeben - die Umstellung auf Rechtsverkehr war der "zeitliche Auslöser" dieser Maßnahme. Weitere 2,7 Mio. Euro entfallen auf Maßnahmen zur Verbesserung des Kundenkomforts und der Reisendeninformation entlang der betroffenen Linien, wie etwa neue Wartekojen, Wegeleitung und Beschilderung.

Welche Strecken werden umgestellt?

Umgestellt werden alle zweigleisigen Strecken in der Ostregion, auf denen derzeit links gefahren wird. Ausnahmen sind die Strecke Hauptbahnhof - Wien Süßenbrunn (Umstellung folgt 2015) sowie die Franz Josefs Bahn (Umstellung nach 2016, derzeit noch nicht notwendig, da es sich um eine "zweigleisige Insel" handelt). Auf einigen Strecken, wie etwa der West- und Ostbahn sowie der Vorortelinie, wird bereits rechts gefahren.

Konkret sind das: - die Nordbahn von Wien Floridsdorf bis Bernhardsthal - S7-Flughafenschnellbahn von Wien Rennweg bis Flughafen Wien Schwechat

  • Pottendorfer Linie von Wampersdorf bis Wr. Neustadt Civitas Nova
  • Südbahn von Hauptbahnhof Wien bis Payerbach-Reichenau
  • Verbindungsbahn von Wien Hütteldorf/Penzing bis Wien Meidling
  • S-Bahn-Stammstrecke von Wien Meidling bis Wien Floridsdorf
  • Nordwestbahn von Wien Floridsdorf bis Stockerau
  • Laaer Ostbahn von Wien Süßenbrunn bis Wolkersdorf

Was ändert sich ab 6. August?

Die wesentlichste Änderung ist: Der Zug kommt ab 6. August bei zweigleisigen Strecken, wo bisher links gefahren wurde, am "anderen Gleis". Das heißt, dass sich der bisher gewohnte Zugangsweg ändert - besonders bei Randbahnsteigen ist dann also die geänderte Wegeleitung zu beachten. Bei 80 Bahnhöfen und Haltestellen werden Adaptionen vorgenommen, etwa das Umhängen der Beschilderung und teilweise eine zusätzliche Wartekoje.

Umfassende Information

Die Information erfolgt umfassend und "in Wellen" (jetzt, am Ende des Schuljahres, vor und am 6. August und zu Beginn des neuen Schuljahres), um alle unsere Kunden, und insbesonders auch die Schüler zu erreichen – etwa

  • in den Bahnhöfen und Haltestellen über Infoplakate, Folder, Monitore, Fahrkarten-automaten, Durchsagen und an großen Verkehrsstationen mit Informationspersonal
  • in den Zügen,
  • in den Stationen und Fahrzeugen von Partner-Verkehrsbetrieben,
  • in den Medien und im Internet unter www.oebb.at/infrastruktur
  • Schulen und Gemeinden